01 April 2007

Palmsonntag.....

Jetzt da es auf Ostern zugeht fallen mir alle möglichen Dinge ein, die frau in der Karwoche nicht
tun soll, darf. Wäschewaschen, Putzen und in der Erde wühlen sind nur drei davon. Was bin ich froh, dass ich mich selbst hier in dieser streng katholischen Gegend nicht dran halten muss.
Nur eins tu ich, die Strasse kehren am Gründonnerstag.


Weil ich festgestellt hab, dass das mit der Abknipserei ganz gut geht, kauf ich noch keinen Scanner und behelfe mir so. Auf dem Foto oben seht ihr mich mit meiner Grosstante Marie,
die Schwester meiner Grossmutter, sie war zwar verheiratet, hatte aber keine Kinder. An ihren Mann erinnere ich mich überhaupt nicht, nur den Namen weiss ich noch, sein Gesicht fehlt mir ganz. Soweit ich mich erinnere, entand dieses Foto an einem Ostersonntag. Ganz sicher weiss ich, dass meine Tante mir ein hartgekochtes Osterei zum essen gab, an dessen bröseligem Eigelb ich mich verschluckte und sie mir unter wüsten Beschimpfungen eine knallte. Ihr Lieblingsschimpfwort war Krrrippl, so auch bei dieser Gelegenheit. Was mich heute ärgert ist nicht die Unbeherrschtheit meiner Tante, sondern die Tatsache, dass mich jeder, der es für nötig befand, schlagen durfte. Meistens hab ich meiner Mutter gar nichts gesagt, aus Angst, gleich noch mal Dresche zu kriegen. Diese expliziete Erlaubnis, wenn sie nicht pariert, kannst du sie schlagen. Einmal war ich sogar anwesend, als sie meiner Klassenlehrerin, Frau Fuhrmann,
sagte, sie solle mich schlagen wenn ich nicht folgen würde. Heute ist sowas undenkbar.

Auf dem Foto unten ist meine Grossmutter etwa 54 Jahre alt. Sie war 55 als sie gestorben ist.
Wenn man das mit dem Erscheinungsbild der heutigen Frauen vergleicht, ist es so gut wie nicht zu fassen! Was zwei Kriege und die Nachkriegszeit mit den Menschen gemacht haben, unglaublich. Vergleicht man die beiden Schwestern miteinander, die Marie war nur unwesentlich jünger als meine Oma, bekommt das Sprichwort "Wie man sich bettet, so liegt man" Sinn. Im Nachhinein wird mir klar, dass meine Oma und auch meine Mutter sich nicht erlaubten glücklich zu sein und in der Opferrolle gefangen waren.

Kommentare:

Sam hat gesagt…

Wenn ich die Farben von alten Fotos bloss sehe krieg ich Beklemmungen, so als wäre die Zeit damals so morbide gewesen wie die Farben. Bei Schwarzweiss- Fotos gehts mir nämlich nicht so.
Und einen Spruch wie: "Stellt Euch mal in die RosenRABATTE" hab ich auch in den Ohren.
Ich bin gespannt, wie ich in zwanzig oder dreissig Jahren die heutigen Bilder empfinde!

Wo war eigentlich der Papa, die Onkels und Opas, wenns Kind geohrfeigt wurde? Oder haben die ihren Frust auch auf die Kinder abgewälzt?
Hast Du mit Deiner Sippschaft mal abgerechnet oder einfach so rundweg verziehen und gut wars?

der Gauzibauz hat gesagt…

Hallo Sam,
da fragst mich was. Meine Mutter hat sich als ich zwei Jahre alt war scheiden lassen (später als meine Oma tot war, war sie mit meinem Vater nochmal ca. fünf Jahre zusammen)d.h. Opa im Krieg gefallen, Vater kein, aber einen sadistisch veranlagten Onkel hätt ich! Sieht so aus als ob Männer in meiner Familie rar gewesen wären. Halt, einen hab ich, Onkel Biba, aber mit dem war ich nicht verwandt, sondern er war der Mann von meiner Mutters Freundin.Der war die Sonne meiner Kindheit! Aber damals war die Einstellung einfach dementsprechend.Keiner hat sich was gedacht wenn ein Kind Schläge bekam.
Abgerechnet hab ich nie, wenn ich sehe was die für ein Leben hatten und was für einen Tod, da brauch ich nix böses mehr wünschen. Ich hab denen einfach verziehen ausdem einen Grund - wenn ich als Kind schon ein Herrenleben gehabt hätt, wo ständ ich dann heut? Die vielen Tränen und Erlebnisse sind wie Perlen, genauso kostbar. Ohne das wär ich nicht ich und womöglich genauso roh wie meine Herkunftsfamilie.

Sam hat gesagt…

Abrechnen hab ich nicht im Sinne von was Böses wünschen gemeint, sondern im Sinne von einem Schlussstrich ziehen.
Das andere:
Dass das Schlimme, das einem zugefügt wurde erst ein eigenes Leben ermöglicht hat, das kenne ich auch so. Eine destruktive, hinterfotzige etc. Familie kann einem Kind eigentlich gar nichts besseres antun, als es zu prügeln, damit es möglichst schnell rausgeht aus dem Haufen und der Rolle, die man ihm dort zugewiesen hat.
Es ist zwar nicht angenehm, aber es war auch bei mir immer Enttäuschung und Schmerz vor jedem Türl ins Freie, freiwillig hätte ich es nicht gefunden.

der Gauzibauz hat gesagt…

Ja, einen Schluss-die-drei-s-widerstehen-mir-strich hab ich vor ziemlich genau sechs Jahren gezogen.Mit meinem Vater und! mit meinem sadistischen Onkel.Wir waren grad hier eingezogen.Da hab ich bei meinem Vater, der noch lebt, angerufen und wollte die neue Adresse geben.(Wir haben sonst überhaupt keinen Kontakt, nur wenn ich mich melde)Da hat seine Frau gesagt sie wollen das nicht und würden auch kein Bescheid geben falls er sterbe.Das war deutlich. Und mein Onkel hat soviel blöde Ansichten kundgetan,
(die braucht keinen Beruf lernen, die wird eh bald heiraten oder willst du jetzt mit dreissig nicht langsam was ordentliches anziehn? und der eigentliche Grund warum ich den Italiener geheiratet hab war der, dass mein Onkel sagte,wenn du mit ihm mausen kannst, kannst ihn auch heiraten)
Er meinte ich solle mich in Loden kleiden wie seine zweite Frau, die nur sieben Jahre älter ist als ich.
Meine Mutter und ich auch haben uns so von ihm und seinen fundamentalen und reaktionären
Ansichten beeinflussen lassen, das glaubst du nicht.Der hat irgendwie so eine Präsenz, die dir keinen Platz mehr lässt.Aber das ist mir erst heute klar.Und als meine Mutter starb war ich ganz alleine.Mein Onkel hat sich wegen seiner Schwester geschämt und hat sie nicht ein einziges mal im Krankenhaus besucht als sie im Koma und Delir war.Aber da hatte ich noch nicht genug von meiner Familie.Erst seit wir hier wohnen, das war eine Zeit wo ich radikal alles abgeschnitten hab.Wenn meine Freundin Margret das liest, bricht sie in Tränen aus.Sie ist die einzige die ich wieder an mich ran liess.Nach knapp fünf Jahren.
Ich gaub, dass damals meine Therapie erst richtig gegriffen hat und ich hatte jahrelang immer wieder ein paar Stunden bei meiner Psychiaterin.Vermutlich wär ich noch genauso blöd wie früher, wenn sie mir nicht geholfen hätte.
Heute hab ich das alles überwunden, es macht mich kein bisschen traurig wenn ich dadrüber schreibe.Und Sehnsucht nach der Familie hab ich auch keine mehr. Norbert hat mit seiner Familie auch einen Schlussstrich gezogen und so müssen wir auf keinen Rücksicht nehmen.Wenn ich denke, hier im Dorf, da sind die Kinder nie für sich allein, auch nicht wenn sie fünfzig sind.Diesen Zwang würd ich nie und nimmer aushalten.Wegen dem bissle Sach was die dann vererbt kriegen!