15 Februar 2007

Fragen über Fragen.....

Ich hoffte in den Lachesisheften eine Antwort
auf die Frage zu finden, warum Frauen so sind
wie sie sind. Warum sie ihre Geschlechtsgenos-
sinnen opfern um bei männlichen Vorgesetzten
gut dazustehen. Warum sie sich den patriarch-
alen Strukturen unterordnen, warum sie gefallen wollen und gefällig sind, warum sie sich mit Diäten kasteien und warum sie ihr Heil im Konformen suchen.
Auch wenn es egozentrisch wirkt, ich kann
meine Einsichten nur an meinem verkorksten,
unfreien Leben als junge Frau und Mutter
festmachen, das Soziowissenschaftliche ist
nicht meine Ebene. Fehlten mir die Vorbilder
in der nächsten Umgebung? War ich handlungs-
unfähig durch meine Erziehung? Waren es die
Hormone? Ich glaubte damals richtig zu handeln
und ich vermisste nichts.
Der Rabe und Sam sind zwei brilliante Geister,
aber zu 100% haben mich ihre Antworten nicht
befriedigt. Die Östrogenfrage ist für mich nach
wie vor ungeklärt.
Dafür fand ich in Lachesis Antworten zum Dicksein. Sowohl in den 20 igern als auch in den
60 igern reagierte das Patriarchat auf die Befreiungsversuche der Frauen mit Infrage-
stellung und Ablehnung der mütterlichen, üppigen Frauenfigur. Das Knabenhafte hat sich
mittlerweile durchgesetzt. Auch davon bin ich betroffen, habe Adipositas per magma.
Egal ob 84 kg oder 110 kg, nach oben offen. Die Formel heisst: Dick = ungepflegt, willens-
schwach, hässlich.
Und ich fand eine Antwort auf meine Frage, warum hatte ich als ich den Film "Monster"
sah, einen Krampf an der Zungenwurzel? Das kommt wohl vom jahrelangen totschwei-
gen der Misshandlungen und des Missbrauchs in meiner Kindheit. Aber bitte verstehe
mich niemand falsch, ich fühle mich nicht als Opfer.
Aber die Frage ob Frau sich freiwillig, aus Liebe oder doch wegen des Östrogennebels
in die Knechtschaft begiebt ist für mich zumindest noch offen.
Immerhin sind viele Frauen aufgewacht und leben ein freies Leben. Aber die breite Masse
lebt, als hätte es keinen Feminismus gegeben. Warum? Nie war die Gelegenheit zur
Befreiung besser als heute. Dabei interessieren mich weniger die Frauen allgemein.
Mir geht es ganz konkret um meine eigene "nächste Frauengeneration".


Kommentare:

Sam hat gesagt…

Ich habs für mich auch erst "fast" ganz klar (ich bin dran) aber über eins bin ich mir mittlerweile klar:
"Befreite" Frauen kamen alle nicht so zur Welt, sie haben ALLE mindestens das Hübschsein, die Selbstverleugnung, die schmerzhafte Liebe, die von Verletzung gefolgte Hingabe, die Orientierung am Aussen, an das was von ihnen erwartet wurde, durchlebt.

Schmerzhaft erlebt und als vergebliche Liebesmüh'. Ich halte das für etwas, das zum Schicksal, Frau zu sein, dazuzugehören scheint.

Ich glaube auch nicht, dass Du Deine Töchter davor bewahren kannst, bzw. dass das gut für sie wäre, wenn sie davor bewahrt werden könnten.
Die Frage ist für mich eher: Kann eine den Schmerz drüber und die Erschütterung wirklich zulassen.

Davon hängt m.E. eine Umkehr ab. Oder will sies lieber nicht spüren, lenkt sich ab, weicht dem Schmerz aus, vermeidet es, am Nullpunkt aufzuschlagen. Versuchts nochmal und nochmal (Frauen sind ja bekanntlich zäh...) und macht nochmal und nochmal die gleiche Erfahrung, bis sie endlich die Wechseljahre (oder eine Krankheit) von diesem Muster der Vergeblichkeit, das im Laufe der Jahre zum Zwang werden kann, befreit.

Ja, ich glaube an Östrogen- und Oxitozin- (=Bindungshormon)nebel. Ohne diese Physiologie gäbs nicht nur keine Schwangerschaften, die Frauen gäben auch keine Milch und fühlten sich nicht sonderlich zuständig für die Kinder (das ist so bei denen, denen es an diesen Hormonen mangelt) Es sind auch, wenn nicht nur, diese Hormone, die Frauen schön und anziehend machen für die Männer insgesamt. Und die den Genuss an der Liebe schenken.

Aber identitätsbildend ist dieser hormonelle Zustand nicht, er ist Teil eines Zyklus und vergeht wieder. Sobald eine Frau ihr Selbst an diesen Zuständen festmacht, hat sie es schon verloren.

Drum find ichs grad so wichtig, dass eine Frau Freiheit lernt, das Wagnis eingeht, aus dem auszusteigen, worin sie die Welt gern sehen würde: Die Schöne und die Mama. Die stets verzeihende, gewährende, die Unentschlossene, die Kokette, die Abhängige von Wertschätzung usw.

Natürlich fährt ihr ein scharfer Wind ins Gesicht, wenn sies tut, aber was für eine Süsse ist es erst, wenn sie merkt: Ich überlebs! Und es macht mich stärker! Ich kann selber!
Das können Deine Töchter durchaus an Dir beobachten (und an anderen Frauen) und das kann ihnen das Bild geben, das Frausein jenseits von AkzeptaNZ und Liebenswürdigkeit sehr wohl existiert. Und das ist eine ganze Menge - und mehr, als Du ihnen je erzählen könntest.

Sam hat gesagt…

Was sind denn diese Lachesishefte?
(Gehören die zu der Vereinigung "feministischer Homöopathinnen" oder so ähnlich, die sich, glaub ich, auch "Lachesis" nennen?)

kvinna hat gesagt…

"I'm a bitch, I'm a lover, I'm a child, I'm a mother, I'm a sinner, I'm a saint, I do not feel ashamed...", fällt mir grad' nicht ein, wie die Interpretin heißt, aber DAS kam mir in den Sinn, als ich deinen Kommentar las, Sam. "I'm your hell, I'm your dream, I'm nothin' in between, you know, you wouldnt't want it any other way..." SO ist nämlich das Leben. Das Schwarze, das Dunkle, das MONSTER im Innern gehört nämlich dazu.

Übrigens hat mich selten ein Film so sehr deprimiert wie dieser.

Was ich als ganz gravierend empfinde, ist, sich selbst zu verzeihen, dass man schwach war, wenn man dann endlich stark ist.

Sich selbst zu akzeptieren und einzusehen, dass das "brave Mädchen" und das "dumme Frauchen" zur eigenen Biographie gehören. Dass man so gewesen ist, weil man so war. Punkt.

Corriendo Mundo hat gesagt…

Coole Bilder, Gauzi, gefallen mir sehr gut!

Was die Biologie betrifft, lese ich mich gerade in diverse wissenschaftliche Theorien über die Weitergabe von Informationen über DNS/RNS und über Theorien zum "holografischen Universum" ein, das klingt alles extrem plausibel und läuft kurz und knapp darauf hinaus, daß ALLE Informationen, die es je gab, die es jetzt gibt und die es je geben wird, in jedem von uns gespeichert sind bzw. in unserer DNS/RNS, also nicht nur ein "persönlicher Erbanteil"..... das führt aber hier zu weit, ist nur auch besonders interessant, wenn eine Zusammenhänge und Hintergründe untersuchen möchte und führt über den kleinen Bereich der weiblichen Hormone - wobei ich SAM oben völlig zustimme - weit hinaus ins Universum. (Michael Talbot - das holografische Universum)

Das ist das Schöne an meinem Zusammentreffen mit dem Raben: Er hebt einfach ab und betrachtet die Dinge und die Welt aus gesunder Distanz und mit sehr gutem Überblick, nicht aus einer persönlichen, längst vergangenen Vergangenheit heraus.

Demnach - und das sagt Sam ja im Grunde ebenso, nur in anderer Formulierung - sind wir durchaus LERNFÄHIG und eben nicht Sklavinnen und Sklaven (die Männer trifft es genauso, nur mit anderen Geschichten, Hormonen, Reflexen, Programmen) unserer Genetik oder Biologie, können also im Laufe unseres Lebens jede Menge Umprogrammierungen an uns selbst erfahren und diese quasi in den gesamtpool einspeisen und auf diesem Weg an unsere zukünftigen Nachfahren mitgeben. Klingt doch einfach!
Schöne Grüße vom Zweigestirn aus bislang erfrischend karnevalsfreier Zone (5 Tage frei)

der Gauzibauz hat gesagt…

Hallo Sam/Rabe/Kvinna,
@Sam: Ja,die sind das.Nur gehört, glaub ich, der Zusatz lesbisch dazu.

@Zweigestirn: Schön, dass dir die Bilder gefallen.Sie sind schon alt.
Das Schwarze bin ich als Sterntaler,
und die Wespe? hab ich vermutlich im
Sommer 02 während der Stechmückenplage gemalt.Hab auch einen kleinen See in unmittelbarer Nähe.Schöne Freie Tage noch!

@Kvinna: Ja, der Film Monster hat mich total umgehauen.Meine Grosse kann ihn nicht anschauen, ihr wird Übel.
ernsthafte Frauenmachtgrüsse an
Weiberfasching