29 Mai 2011

Eine Woche habe ich hier geschwiegen...

Ich hatte einfach keine Lust. Immer wenn ich irgendwo zu lesen begann reichte es nicht mehr für meinen Blog. Erst gestern beim gemeinsamen Spaziergang und Gespräch habe ich begriffen was eine Mitbloggerin, die anderen gerne sagte sie sollen doch erst mal fertig pubertieren, damit meinte. Da habe ich wahrlich lange gebraucht.

Immer wieder schimpfen alte Frauen über ihre bösen Mütter. Grad so als seien sie noch auf dem Stand einer 16 jährigen. Mich beschäftigt die Frage warum eine Frau die ihre Mutter als böse bezeichnet dieser das kostbarste was sie hat, eben ihr eigenes Kind, überlässt. Einfach so.

Und warum schimpft eine Frau über das Wesen ihrer Mutter und lebt gerade das was sie bei der Mutter kritisiert selbst in verschärfter Form. Und nicht nur das, sie nervt ihr Umfeld damit. Es liegt mir fern jemanden der Dummheit oder Ignoranz zu bezichtigen aber ich mache mir darüber ensthafte Gedanken. Auch darüber ob ich selber meinen eigenen Massstäben gerecht wurde oder werde.

Letzten Sonntag hat Franz Mohr von ttt einen Film vorgestellt der versucht die Frage zu beantworten ob Kinder schon böse auf die Welt kämen. Tatsächlich seien sich die heutigen Psychologen einig, dass das vereinzelt möglich sei. Ich selber denke aber das Kinder als leeres Blatt Papier auf die Welt kommen auf welches die Umwelt zeichnet. Halt! Bei meinem Bruder ist es so, dass er nur zwei Tage Kontakt zu unserem Vater hatte aber er ist der Gottfried wie er leibte und lebte. Sind es also doch auch die Gene? Vermutlich ja aber ich möchte nicht der Versuchung erliegen mich rauszureden. Es wäre zu einfach wenn ich meine Hände in Unschuld waschen würde und alles meinen Kindern in die Schuhe schieben würde. Mohr fragte was der Unterschied sei zwischen einer Mutter die Nähe zu ihrem Kind spürt und einer Mutter die nur eine Mutterrolle spiele. Darüber habe ich die ganze Woche nachgedacht. Nicht nur das sondern auch wie ich es fühlte und fühle. Beispielsweise habe ich meine Kinder nicht gestillt. Diese Art Nähe war mir zu nahe. Damals wusste ich noch nicht dass diese Gefühle zu Kontraktionen der Gebärmutter führen, sie damit wieder auf normale Grösse bringen und den Wochenfluss schneller beenden. Ist die Bekocherei meiner Kinder eine Ersatzhandlung für das nicht gewährte Stillen? Sobald ein Kind leicht kränkelte rannte ich zum Kinderarzt. Das finde ich aus heutiger Sicht unnötig aber damals beruhigte es mich. So ganz ohne Grund tat ich das nicht - mein Qousin starb mit 6 Monaten an einem Darminfekt. Das hat mich geprägt. Ich habe auch nie Fläschchen auf Vorrat fertiggemacht und in den Kühli gestellt. Das erscheint mir noch heute als Frevel.
Wie nah ist ganz nah? Ist es so wie ich es zu meinem Mann fühle, so wie zu meinen Tieren? Das es mit den Viechern näher ist erklärte ich mir bis jetzt damit dass sie einfach immer ununterbrochen bei einem sind. So eine nahe Nähe wäre für Kinder sicher nicht gut. Das habe ich als Kind bitter erfahren müssen. Das wollte ich den meinen niemals antun.
Was ist jetzt richtig? Sehr grosse Nähe spüre ich wenn ich einem meiner Kinder ein Päckle packe. Da ist das Gefühl sogar überschwänglich. Wenn es dagegen vor mir sitzt ist das nicht so.
Zurück zu Franz Mohr. Er fragte was aus einem sehr intelligenten Kind das genau spürt dass seine Mutter nur wie eine Mutter agiert, also die Mutterrolle nur spielt, werde. Mohr vermutet das der Grundstein der Bosheit hier gelegt werde.
Es gibt viele gute junge Menschen. Es gibt aber auch Bösartige wie man im TV sehen kann.
Hier in Leutkirch ist es was Gewalt betrifft sehr ruhig. Hier gibt es ein grosses Jugendhaus
und von ihnen sehe ich keinerlei Gefahr ausgehen. In der Stadt kommt es öfters zu Schlägereien.
Da ist aber auch meistens Alkohol im Spiel.

Kommentare:

Sanias Zaubergarten hat gesagt…

sehr komplexes thema, da muss ich drüber nachdenken.....

Brigitte hat gesagt…

Das passiert mir auch öfter, dass ich einfach keine Zeit mehr habe, um den Blog zu befüttern. Er soll einen ja auch nicht zu Zwangsposten veranlassen. Es sollte schon Freude machen. Und man macht es, wenn es denn passt.

Ja, ein sehr großes Thema, das man nicht einfach so abhandeln kann. Aber, du hast dir wirklich sehr tiefe Gedanken gemacht!

Das Schimpfen über die Mütter, na ja. Sicher hat jeder irgend eine negative Erfahrung mit Mutter oder Vater, aber ich würde nicht immer nur das Schlechte herausziehen. Es gibt auch viele gute und liebevolle Erfahrungen. Jeder macht Fehler. Du machst für deine Kinder, was du kannst. Ich auch.

Das glaube ich nicht, dass Kinder schon böse auf die Welt kommen, es ist vielleicht die Art, wie sie aufwachsen. Da liegt heute vieles im Argen. Ich glaube, dass viele junge Leute viel Gutes in sich haben, man muss es nur entdecken.

Liebe Grüße, Brigitte

Anonym hat gesagt…

Ich glaube nicht, dass Kinder als unbeschriebene Blätter geboren werden. Die Anlage für die Eizelle, die zum Baby geworden ist, hatte die Mutter schon in sich, als sie selbst zur Welt kam. Das Kind ist in ihr gewachsen und meiner Meinung nach durchdrungen von ihr. Das erklärt auch, warum manche Babies nicht gestillt werden wollen: sie wollen den Mist nicht einsaugen, in dem sie gewachsen sind. Das meine ich nicht abwertend. Nur tragen Frauen (wie Männer auch!) meiner Meinung nach viel zu viel nicht Verdautes, nicht zu Ende Gedachtes mit sich herum, haben eben, wie du schon sagst, nicht fertig pubertiert. Und manche Babies spüren das so deutlich, dass sie es einfach nicht haben wollen - selbst, wenn's ans eigene Leben ginge, nicht.

der Gauzibauz hat gesagt…

Vielen Dank für eure Kommentare. Erst war ich nicht sicher ob das zu intim ist was ich schreibe aber es hat sich gelohnt. Immer wieder zweifle ich an mir wenn auch nichts rückgängig gemacht werden kann. Brigittes Worte tun mir gut.
Die Anonyme Kommentarschreiberin hat mir einen entscheidenden Aspekt beschert: Wenn Babies den Mist nicht einsaugen wollen dann muss es auch umgekehrt gehen. Mütter wollen ihren Mist nicht an ihre Kinder weitergeben. Das deckt sich total mit meinem Empfinden.
So habe ich das bisjetzt nicht gesehen und ich kann einen Schritt weitergehen.

Anonym hat gesagt…

Übrigens schimpfe ich nicht über meine böse Mutter. Das habe ich lang hinter mir.