12 Juni 2014

Irgendwo in Isny...


Am Pfingstmontag waren wir bei dem Mann, der mit Norbert das Krankenzimmer teilte,
eingeladen. Hätte ich nur auf meinen Bauch gehört der sagte: Bei dieser Hitze geh ich nirgends hin. Ausserdem war ich verschwitzt und reif für die Dusche. Schlecht geschlafen hatte ich auch.
Also quälte ich mich ins Bad und machte mich salonfähig. Es fing schon damit an dass wir eine dreiviertel Stunde in Isny herumgurkten und keine Orientierung hatten.
Dann kamen wir fast eine Stunde zuspät was im Nachhinein auch egal ist. Denn unhöflich war der Gastgeber.
Ich habe wirklich noch nie so einen Menschen getroffen von dem man sagen kann dass er
komprimierte Scheisse auf einem Fleck ist. Leider hatte er Norberts Vertrauen gewonnen.
Er dachte dass er ihn einschätzen könne nach 5 gemeinsamen Tagen im Krankenzimmer.
Schon als er mir die Hand gab quetschte er sie mir dass es weh tat. Und er umarmte mich mit seiner eingeölten Wampe, drückte sich an mich, an meinen frisch gewaschenen Kaftan.
Der Sprechstil des Mannes war ein andauerndes Hüpfen von einer Stammtischparole zur nächsten, was mich so kirre machte dass ich gar nicht zum Denken kam. Andauernd fiel er mir ins Wort, gestikulierte und fuchtelte massiv in meinem Raum unter und auf dem Tisch. Er fragte mich z.B. ob ich schon mal in der "Röhre" gewesen sei. Ich kam nur soweit dass ich sagen konnte ich hätte Todesangst gehabt. Dann fiel er mir ins Wort und sagte bestimmt und verächtlich: Du hattest keine Todesangst! So ging es mit Vielem. Das Dumme ist dass solche Aussagen dann einfach unwidersprochen im Raum standen und nachts hämmterte mir das im Kopf. Er prahlte dass er 6 Fremdsprachen könne, italienisch, französisch, spanisch, portugiesisch, englisch und die Sprachen vom Balkan könne er auch alle. Das Haus sei schuldenfrei, und er sagte Jesus Christus sei eine Drecksau. Die Apostel
seien Scharlatane und sie hätten nix geschafft. Sie seien Lügner und Betrüger gewesen.
Er hat wohl als er jung war als Dachdecker gearbeitet, später dann beim Bauhof in Wangen.
Er sagte die übelsten Sachen über Ausländer (er hätte ihnen damals vorgestanden) und
Asylanten, die er lieber totschlagen wolle. Über die Flüchtlinge aus Syrien wetterte er im gleichen Stil. Er ist wirklich ein Egoist, Egozentriker, Narzißt und was weiss ich in Personalunion. So ging das volle drei Stunden.
Übel war dass er Norbert kriechen sehen wollte. Er hat ihm Cognac mit Cola zum Trinken gegeben oder besser, aufgezwungen. Die Flasche war aber nicht auf dem Tisch wie das andere Leute machen, sondern er schenkte in der Küche ein und war darauf bedacht dass er sein Glas hatte. Und mein Norbert dachte dass er den Typen unter den Tisch trinken könne. 
Ich gaube der hatte in seinem Glas nur Cola. Und ich hege den Verdacht, dass er evtl. auch auch Tropfen in Norberts Glas getan hatte. Nach drei Stunden hatte ich dann endlich durchgesetzt dass wir gehen. Dann hat es Norbert auf dem Weg zum Auto die Beine weggezogen. Er lag tatsächlich unter der Hecke. Ich hatte so eine Wut. Weniger auf meinen Mann sondern auf diesen unverschämten Typen. Mein Mann ist ja schon schmächtig und krank. War doch klar dass er das nicht verträgt. Ich kenne solch sadistische Characktere weil mein Onkel auch so einer war. Irgendwann waren wir dann im Auto und ich bin heimgefahren. Am nächsten Tag als Norbert dann wieder klar war haben wir über die Sache ganz ruhig gesprochen. Den Gefallen tu ich dem Kerl nicht, dass er auch noch erfolgreich Streit provoziert. Ausserdem ist Norbert ja auch enttäuscht und traurig. Gern hätte ich ihm das erspart. So eingewickelt und genötigt sind wir beide noch nie geworden. Und
 ihr könnt mir glauben, dass mir sowas nie wieder passert. In Zukunft ist mir Höflichkeit

schnurz. Egal wer mir gegenüber sitzt und sich schlecht benimmt.



 

Kommentare:

Brigitte hat gesagt…

Liebe Erika,

das habe ich entsetzt gelesen. Was für ein schrecklicher Alptraum.

Mir tut vor allem Norbert leid, was für eine Enttäuschung! Aber Respekt, dass ihr das miteinander ruhig besprochen habt.

Auf solche Leute kann man sehr gut verzichten.

Lieben Gruß an euch, Brigitte

der Gauzibauz hat gesagt…

Liebe Brigitte,

danke für deinen verständnisvollen Kommentar. Jetzt haben wir es Gott sei Dank weggesteckt und müssen nicht mehr ständig daran denken.

Liebe Grüsse//Erika