Wenn ich mich über meine Kinder ärgere, führt das immer zu Verdruss. Ich hätte es ja verhindern können, müssen, wenn....ja wenn ich nicht so treudoof, schwach und betrunken gewesen wäre. Meine Dummheit schützt mich nicht vor der Verantwortung, für das, was daraus geworden ist. Zu allem Übel, glaube ich nicht, dass sich Charakter und Persönlichkeit grundlegend verändern. Narzissten ziehen hin und wieder ein anderes Mäntelchen an, aber die Substanz bleibt wie und was sie ist.

Damals, als meine Kinder noch sehr klein waren, hat der Narz schon angefangen, sie zu konditionieren. "Gesch, bringsch Baba eine Bier", hiess es und das Kleinkind ging freudig in den Abstellraum und holte dem Vater eine Flasche Bier, auch die Zehnte, wenn es sein musste, mit der selben Freude. Ich holte mein Bier selber, habe das Treiben des Vaters, aber auch nicht unterbunden. Wenn es Süsses zu verteilen gab, trätzte er seine Kinder, bis zur höchst möglichen Spitze, um selber, die höchste narz. Zufuhr zu bekommen. Mich hat das angewidert, verhindert habe ich es nicht. Wenn der Vater es zu doll trieb, sagte ich schon mal, schmeiss es ihm vor die Füsse, aber ist ja klar, dass die Kinder das Begehrte haben und essen wollten. Da kann man ihnen keinen Vorwurf machen.Vermutlich habe ich damals in meiner Unwissenheit, die richtige Schlussfolgerung gezogen: Er hat ihnen so, den klitzekleinsten Funken Ehre und Würde abgekauft. Und ich sah zu.

Ich erinnere die erste Fahrt nach Mailand, zur Verwandschaft. Wir sassen alle am Tisch und ich sagte etwas auf italienisch. Er wollte es mich drei, vier mal wiederholen lassen, bis ich in Tränen ausgebrochen bin. Ich fühlte eine komische Scham, die mich total überwältigte. Ich weiss heute noch nicht, was das war. Wissen tu ich, dass das kognitive Dissonanz war, weil er dabei unschuldig lächelte.

Er hatte auch in den Anfängen die Mode, Gespräche, die bei zunehmender Betrunkenheit stattfanden, mit dem Radiorekorder aufzunehmen, um einem das, am anderen Tag vorzuspielen. Erst jetzt weiss ich, was er damit tat. Er suchte nach Beweisen, die er nutzen konnte, in der Absicht, das Gegenüber klein zu machen. Von "Beweisfotos" meiner Trunkenheit, will ich gar nicht reden. Die Frohnatur, die er vorgab zu sein, war er bei näherem Hinsehen überhaupt nicht. Schon morgens, beim Aufstehen, fiel die Maske, weil er, bis er ganz wach war, übellaunig und unzugänglich war. Weiss der Geier, ob da schon morgens heimlicher Schnaps im Kaffee war.

Solche Reflektionen machen, dass ganz bestimmte Muster in mir zum Vorschein kommen. Um mich zu beruhigen, weil ich ja schon lange nicht mehr trinke, beginne ich zu kaufen. Dieser Umstand beschert mir einen neuen Wohnzimmerteppich. Schon seit einigen Tagen denke ich, dass ich die ganz alten Zöpfe, noch aus der Südringzeit, endgültig abschneiden sollte. Habe noch etwas Bauchgrummeln, weil das ein Mordsakt wird, aber ich packe das! 30 Jahe und mehr, für einen Teppich, sind eine lange Zeit, vor allem, wenn Motten am Werk waren. Nach 2 mal stornieren, einmal wegen falscher Ausmessung, einmal wegen doch anderer Entscheidung, bezüglich des Modells, läuft jetzt die richtige Bestellung.
🌸Unten mein Opa und Geistführer Thomas.🌸