...Stirb und Werde habe ich schon als Kind im Alter von 8 oder 9 Jahren mit meiner Seele, aber nicht intellektuell, erfasst. Damals war mein Vater bei uns. Er hat den zugewachsenen Garten im Bad Brühl gerodet und mit Kartoffeln bepflanzt.
Überhaupt hat er ungenutzte Grünflächen umgegraben um Kartoffeln anzubauen. Die waren nicht nur für uns Menschen gedacht, sondern auch für die vielen Hasen und Hühner als Futter, das nix kostete. Die Weizen und Haferkörner mussten dagegen gekauft werden. Um mein Gefühl zu beschreiben, das ich hatte, als ich die Hülle, sprich Haut, einer Mutterkartoffel, die mit ihren vielen Kartoffelkindern durch die Keimschnüre verbunden war, in den Händen hielt, muss ich erzählen, dass meine Mutter mir oft ein schlechtes Gewissen machte, weil sie bei meiner Geburt Schmerzen hatte. Ich hielt also die dunkle Haut der Mutterkartoffel, die für ihre Kinder gestorben war, in meinen Händen und war todtraurig, weil sie ihr Leben geben musste, damit es neue Kartoffeln geben kann. Instinktiv wusste ich, dass es etwas Grossartiges war, was gerade vorging, habe es aber im Hirn falsch verknüpft. Mit meiner Mutter hatte es überhaupt nichts zu tun, es war einfach der grossartige Vorgang des Prinzips Stirb und Werde. Erst viel später wurde mir bewusst, das man das auf ALLES anwenden kann.
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