Im Sommer letzten Jahres wurde mir bewusst, dass meine ErzĂ€hlung von mir selber sich nicht mit der ErzĂ€hlung meiner Familie, sprich meiner Kinder, deckt. FĂŒr sie bin ich immer noch die Person, die ich in ihrer Kindheit war. ( Die Mutter, die keine Grenzen setzen konnte.) Das alleine wĂ€re nicht so schlimm. Vielmehr deckt sich vor allem die ErzĂ€hlung meiner Zukunft nicht mit ihren Vorstellungen.
Das erste Mal wurde ich wĂŒtend, als Norbert gestorben war. Ich hatte entsprechende Hausschuhe fĂŒr ihn gekauft, die er nie getragen hat. Und die Sitzbank fĂŒr die Dusche, die ich Gott sei Dank nicht benötige, war auch so ein Ding. Auf die Frage was ich damit tun soll, wem ich das ĂŒberlassen könnte, sagte man mir, ich soll es fĂŒr mich aufbewahren, weil ich das ja bald selber brauchen wĂŒrde. Die Wut kam einfach aus dem Bauch heraus, ohne nachdenken.

Was war geschehen? Offensichtlich möchten meine beiden Ă€lteren Kinder mich hilfsbedĂŒrftig sehen. Und Vorstellungen werden zur Wirklichkeit! In ihrer Vorstellung wĂŒrde ich bald den Weg meiner EhemĂ€nner gehen. Wurde doch die Kommunion meines Enkels ein Jahr frĂŒher gemacht, weil man ja nicht weiss, was wird, sprich, ob ich da noch lebe. Ich habe völlig andere Vorstellungen. Den Teufel werde ich tun, mich jetzt schon, in Zeiten, in denen es mir so gut geht, wie mein lebenlang nicht, mich geistig auf PflegebedĂŒrftigkeit einstimmen. Der Hintergrund dieser "FĂŒrsorge" ist nicht Liebe, sondern die Angst, man mĂŒsse irgendwann das tun, was alle Hinterbliebenen tun mĂŒssen, sofern sie einen Funken Ehre im Leib haben. Und nicht zu vergessen, wenn ich je im Pflegeheim landen wĂŒrde, was ich nicht glaube, dann wĂŒrden die Kinder zur Bezahlung herangezogen werden. Um dies zu umgehen, wurde mir die Kellerwohnung, inklusive Pflegeplatz, angeboten, die ich aber nicht will.

Weil ich die Wohnung nicht will, was ja auch eine totale Verpflanzung meiner selbst bedeuten wĂŒrde, wurde ich unter Druck gesetzt, in dem man einfach nur ganz selten, im Gegensatz zu frĂŒheren Zeiten, zu mir kam. Der eventuellen Pflegekosten wegen, wurde versucht, mir ein schlechtes Gewissen zu machen. Durch meine Recherchen, bezĂŒglich Narzissmus, wusste ich woher der Wind pfeifft. Sogar Angst vor dem Sterben, hat sie versucht, mir zu machen. Ăfters wurde mir gesagt, dass ich das, was ich nicht brauche, ausmisten soll, weil sie sonst soviel Arbeit hĂ€tten und bla bla bla. Ich habe ausgemistet, aber fĂŒr mein Wohlbefinden.

Das Wissen ĂŒber Narzissmus hat mich gerettet. Nach und nach wurden mir die ganzen Dinge bewusst und ich bin so froh, dass ich meinem BauchgefĂŒhl gefolgt bin. Es fing ja hier schon an, als man mir die FernsehkanĂ€le einstellte, so wie sie das bei ihren Kindern gewohnt sind. Musste ich doch tatsĂ€chlich einen Fachmann kommen lassen, der es dann wieder gerichtet hat. Ich möchte nicht wissen, wie das geendet hĂ€tte. Den allerletzten Ausschlag gab das Denken, als ich nicht wusste, ob ich in diesem Haus bleiben kann. Meine Frage war, ob ich, wenn alle Stricke reissen und die Obdachlosigkeit droht, die Kellerwohnung doch haben könnte, quasi als letzten Ausweg, falls ich mit Hexe nix finde. Die Antwort war: Dazu bin ich dann wieder gut genug. Durch all diese Sachen, und vieles habe ich gar nicht gesagt, wurde mir klar, dass es niemals um meine Person gegangen ist. Zu keinem Zeitpunkt.
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Dieses Thema geht mir sehr nahe, nicht nur wegen mir, sondern auch wegen anderen alten Menschen. Sah ich doch Werbung von Dörfern, in denen nur Alte wohnen sollen. Schöne HĂ€uschen, mit und ohne Garten, Bilder von Gruppen fĂŒr den Zeitvertreib, aber nur Silberzwiebeln, kein einziger junger Mensch. Leute, geht's noch? Will man die Alten jetzt separieren und aus dem Blickfeld verbannen? Die Vorfahren wussten, dass es nur zum Guten von allen ist, wenn Jung und Alt vermischt leben. Es muss nicht in einem Haushalt sein, aber in Sichtweite wĂ€re schon schön. Des weiteren gibt es Werbung fĂŒr "Rentneressen". Wie selbst gekocht, besser als Essen auf RĂ€dern, soll es sein. Ich verstehe schon, dass der oder die Eine keine Lust zum Kochen hat, oder es einfach nicht mehr kann, aber "Rentneressen", da hört es bei mir auf. Wer kommt auf solch unsĂ€gliche Begriffe? Die ganz junge Generation wird von unseren Kindern grossgezogen, wir Ălteren haben unseren Kindern mitgegeben was uns möglich war. Und unsere Kinder tun es uns gleich. Ist doch klar, dass es im Laufe der Zeit zu grossen Verbesserungen gekommen ist. Von einem Leben wie heute hĂ€tten die Nachkriegskinder nicht mal zu trĂ€umen gewagt. Was ich sagen will, ist, dass jede Generation ihre Herausforderungen hat. Die Kriegskinder hatten ihre beschĂ€digten Eltern, meine Generation hatte die beschĂ€digten Kriegskinder als Eltern und nicht nur das, der Alkohol, der all das vergessen machen sollte, richtete seinerseits Schaden an. Und nun meint die ganz junge Generation, im Nachteil zu sein. Sie will im Zweifelsfall ihr Land nicht verteidigen und zuviel Rentenbeitrag will sie auch nicht zahlen. Dabei werden Milliarden vererbt. Bei uns nicht, weil wir nie Vermögen hatten, wie auch, wenn der Mann und der Ă€lteste Sohn nie mehr aus dem Krieg nach Hause kommen. Meine Oma hatte fĂŒnf MĂ€uler zu stopfen und ging zu Fuss, mit dem Leiterwagen von Wangen nach Bad Wurzach, um Torf zu stechen, damit sie im Winter heizen konnte. Meine Mutter war alleinerziehend, da ist kein Reichtum zum vererben. So gesehen sind meine Kinder dies bezĂŒglich im Hintertreffen, aber alle haben ihr Leben und es gut getroffen. Jetzt geht es mir wie dem Orangenen, ich habe mich verzettelt. Eigentlich wollte ich darauf hinaus, dass wenn alte Menschen nur noch Ăltere und noch KrĂ€nkere sehen, keine gute Zukunft haben. Die Zukunft wird durch die gegenwĂ€rtigen Gedanken und Vorstellungen gebildet, wenn man nur Elend und Not sieht, wird die Zukunft ganz genau so. Und das kann keiner ernsthaft wollen.đ