...manche Wunden enden nicht mit der Person, die verletzt wurde. Sie werden weitergegeben – leise, unbewusst – von Eltern an ihre Kinder. Nicht immer durch Handlungen, sondern oft durch Worte. Beiläufige Sätze, die in Wut, Stress oder Angst gesagt wurden, können tiefe Spuren hinterlassen, die bis ins Erwachsenenalter nachwirken. Aus Familie.de
Auch ich bin dessen schuldig. Das Wort Krüppel habe ich noch im Ohr, nicht nur des gerollten Rs wegen, wütend ausgestossen von meiner Grosstante Marie, als sie mich schlug, weil ich mich an einem hart gekochten Ei verschluckt hatte. Meine Mutter hat es auch öfters benutzt, wenn sie sehr wütend war. Und ich selber habe es auch ein, zwei mal benutzt, in grosser Wut und Hilflosigkeit.
Auch wenn es hinterher leid tut, ungeschehen machen kann man es nicht. Es entfaltet seine Wirkung, egal wie sehr man sich dafür schämt. Und eine Entdeckung habe ich bei der nächsten Generation gemacht, es wurden Beleidigungen gesagt, die meinen Mund nie verlassen haben. Ich frage mich, woher das kommt. Der Zustand, in dem man so reagiert, ist einer, der bewusst verletzen will. Wenn ich mich darauf konzentriere, kann ich es genau fühlen und komme zu dem Schluss, dass es bewusst gemacht wird. Man spürt in dem Moment den Grad der eigenen, früheren Verletzung und schmeisst sie dem eigenen Kind entgegen. So ist es jedenfalls bei mir gewesen.

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